
Moderne Diagnostik und Impfstoffentwicklung spielen eine zentrale Rolle in der Tiergesundheit – und damit auch im Schutz der Verbraucher. Mit modernster Diagnostik, autogenen Impfstoffen und einem einzigartigen Full Service-Angebot ist die SAN Group Biotech Germany GmbH eine wichtige Schnittstelle zwischen Forschung, Tiermedizin und Verbraucherschutz. Geschäftsführerin Dr. Christina Boss spricht im Interview über Stärken, Herausforderungen und Zukunftspläne eines Hidden Champion der Biotechnologie.
Wirtschaftsforum: Frau Dr. Boss, Sie sind seit Anfang 2024 Geschäftsführerin der SAN Group Biotech Germany GmbH. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?
Dr. Christina Boss: Ich bin Tierärztin und war bereits über 20 Jahre in der Diagnostikindustrie tätig. Der Wechsel zu einem Unternehmen, das Diagnostik, Impfstoffproduktion und Laborservices auf einem Standort vereint, war für mich fachlich wie strategisch hoch spannend.
Wirtschaftsforum: Das Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Welche Meilensteine waren aus Ihrer Sicht entscheidend?
Dr. Christina Boss: Ein zentraler Schritt war sicher die Errichtung unseres neuen Produktionsgebäudes, das 2022 nach vierjähriger Planung fertiggestellt wurde. Es erfüllt die hohen GMP-Standards und ermöglicht die Herstellung von autogenen Impfstoffen auf einem in Europa nahezu einzigartigen Niveau. Zudem wurde mit der Marke ‘Kylt’ ein starker Bereich für In-vitro-Diagnostik aufgebaut. Und nicht zuletzt war die Integration in die SAN Group im Jahr 2021 ein wichtiger Entwicklungsschritt – mit mehr Ressourcen, Netzwerk und internationaler Reichweite.
Wirtschaftsforum: Was macht Ihre Unternehmensstruktur und Ihr Angebot so besonders?
Dr. Christina Boss: Unsere Stärke liegt in der Kombination aus tierärztlicher Expertise, einem eigenen Diagnostiklabor und der Entwicklung individueller Impfstoffe. Wir verstehen uns als Partner der Tierärzte: Wir sehen, was vor Ort gebraucht wird, und können darauf gezielt reagieren. Besonders im Bereich lebensmittelliefernder Tiere – Geflügel, Schwein, Rind, aber auch Fisch – bieten wir ein vollständiges Portfolio: Von der molekularen Diagnostik über die Impfstoffentwicklung bis hin zu Lebensmittelsicherheitsanalysen. Damit decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab – vom Ei bis zum Schnitzel.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen von maßgeschneiderten Impfstoffen – wie kann man sich das vorstellen?
Dr. Christina Boss: Autogene Impfstoffe sind individuelle Lösungen, die wir für einen konkreten Bestand entwickeln. Es gibt also keinen ‘Blockbuster’, sondern viele spezialisierte Produkte, die exakt auf das Infektionsgeschehen vor Ort abgestimmt sind. Wir verstehen uns dabei ein wenig als Maßschneider – oder wie ich gerne sage: Wir nähen Pinguinanzüge, sehr speziell und sehr präzise. Das sorgt für effektive Prävention und reduziert gleichzeitig den Einsatz von Antibiotika – ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz und zur Lebensmittelsicherheit.
Wirtschaftsforum: Was sind die zentralen Herausforderungen in Ihrer Branche?
Dr. Christina Boss: Infektionserkrankungen sind nach wie vor ein zentrales Thema – sowohl aus Sicht des Verbraucherschutzes als auch für den internationalen Handel. Erreger machen vor Ländergrenzen keinen Halt. Deshalb ist es entscheidend, schnell zu erkennen, womit man es zu tun hat – und entsprechend zu handeln. Unsere Nähe zu den Tierärzten und unser hohes Probenaufkommen helfen uns dabei, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
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